Anfahrt Der Ritterkeller
Über m Mäuerle 7
(Eingang Burgstr.)
87435 Kempten

Tel. 0831-15702


Öffnungszeiten:
Di-Do: 20:00 - 1:00 Uhr
Fr, Sa: 20:00 - 3:00 Uhr
Biergarten bis 24.00 Uhr

Es war einmal:

eine keltische Siedlung namens Cambodunum, die der griechische
Geschichtsschreiber Strabon 56 vor Christus als römische Stadt
(älteste Deutschlands) urkundlich erwähnte.
Kaiser Tiberius (14-37 n.Chr.) ließ auf dem Lindenberg eine
ausgedehnte städtische Siedlung errichten. Nach deren Zerstörung
durch die Alemannen 233 und 259 befestigten die Römer gegenüber die
Burghalde als Kastell und legten an ihrem Fuß eine neue Siedlung an.
Dort liegt heute der unter Denkmalschutz stehende Ritterkeller.
Im Kern wohl gotisch, wurde das dritte Gewölbe im Osten an die
1363 erbaute Stadtmauer angefügt.1829 veräußerte die Stadt Kempten
die Flurstück Nr. 286/2 Herrn Georg Jakob Zech zur Einrichtung
des "Mohrenwirthskellers"

1985 begann eine Gruppe Studenten, alle selbst Musiker, sich nach
einer Örtlichkeit umzusehen, um dort Konzerte zu veranstalten und um
das dürftige Kemptener Kulturprogramm zu ergänzen. Da früher schon
diese Art von Kneipen jedoch nur sehr spärlich gesät waren, kamen
sie bald auf die Idee, selbst ein Lokal zu eröffnen und dort Bands
auftreten zu lassen. Nach einiger Zeit der Suche stieß man auf
den leer stehenden Ritterkeller, der sich für dieses Vorhaben
als perfekt herausstellen sollte. Kurz entschlossen pachtete
einer der Studenten, genauer gesagt Hanspeter (Pit) Hold, die
Gaststätte und begann mit der Stadt Kempten wegen des neuen
Kulturprogramms, in Verhandlungen zu treten. Die Behörde
jedoch verstand unter „Kulturprogramm“ ein traditionell
Bayerisches und Klassisches und war daher von den geplanten Rock-
Veranstaltungen nur wenig begeistert.

Das Projekt schien also somit zum Scheitern verurteilt und die
Studentengruppe musste klein beigeben, lediglich Hanspeter
Hold, der ja bereits den Pachtvertrag unterschrieben hatte,
blieb nichts anders übrig, als weiterhin zu versuchen sein
Konzept den zuständigen Behörden nahe zu bringen.
Beharrlichkeit zahlte sich letztendlich aus, denn dem frisch
gebacken Wirt gelang es schließlich die Behörden zu überzeugen
und trotz der widrigen Umstände, eine Konzession für sein
erstes Konzert zu erhalten. Er buchte „Toxic Reason“ die erste
Band in der Geschichte des Ritterkellers. Zwar wurde pünktlich
um 0.00 Uhr von der Polizei eine Kontrolle hinsichtlich des
Jugendschutzes durchgeführt, dennoch wurde dieses Konzert zum
Kult und Grundstein für viele weitere Konzerte, die im
Ritterkeller stattfinden sollten...

So waren über die Jahre Bands wie D.O.A, Captain Sensible (Gitarrist
von der Kultband The Damned), Uncle Ho, She Male Trouble, Kevin K.
sowie zig andere auf der Ritterkeller Showbühne zu sehen, die
das Publikum über alle Maßen begeisterten. Aber nicht nur
Bands aus dem Genre Punk/Rock sorgten für Aufsehen, vor allem
lateinamerikanische Bands wie Karamelo Santo und Abuela
Coca wurden bei ihren Auftritten von den Gästen gefeiert als
gäbe es kein Morgen. Auch die Kemptener Nachwuchsszene bekam
von Hanspeter Hold immer wieder die Chance als Support für
diverse Bands aufzutreten und ihre Musik einem größeren
Publikum zu präsentieren. Wegen diesem Konzept erhielt der Ritterkeller
auch den Zweitnamen Starclub, und weil er zudem auch dem
Original in Hamburg durch sein Gewölbe sehr ähnlich sieht.

Aber nicht nur das Engagement für Nachwuchskünstler wurde und
wird im Ritterkeller groß geschrieben. So setzt sich Hanspeter
Hold auch sehr stark für seine Umwelt ein. Dank seiner, nach
allen Umweltgesichtspunkten ausgelegten Betriebsführung, wurde
er mit der Kultkneipe seit 1999 gleich mehrfach von dem Bayerischen
Wirtschafts- u. Umweltministerium ausgezeichnet und ist seitdem
auch Mitglied im Umweltpakt Bayern. Neben einer Grundsatzklage vor
dem obersten bayrischen Gericht zur Interpretation des Feiertaggesetzes
gehören ebenso Gesprächsrunden mit Kollegen und beteiligten Stellen
zum Jugendschutz, Belebung des Kemptener Nachtlebens,
Nichtraucherschutz und anderen Themen.Auch soziales Engagement
hat die Ritterkellercrew in der Vergangenheit bewiesen. So
verzichteten alle Angestellten eine Woche lang auf ihr
Trinkgeld und spendeten die Summe von insgesamt 1000,- € an das
UNICEF-Kinderhilfswerk für die Opfer der Tsunami-Flutkatastrophe;
Benefizveranstaltungen für die Villa Viva und andere.

Mit der Gründung des Fortuna Brazil Star-Club Spezial (www.starclub.in),
der Haus- und Hof Fußballmannschaft des Ritterkellers wurde ein weiteres
Klischee, dass Kneipenwirte und -Gänger nur den Genuss von
Alkohol im Kopf haben, über Bord geworfen. Wurden die
Hobby-Kicker anfangs noch belächelt, mussten die gegnerischen
Mannschaften bald eingestehen, dass der F.B. Star-Club Spezial
durchaus ein ernst zu nehmender Gegner ist. Neben mehreren 2.
und 3. Plätze wurde die Mannschaft bereits zum dritten Mal
Stadtmeister. Auch der Spruch: „wer nichts wird, wird Wirt“
greift beim Ritterkeller Team nicht, denn das besteht
vorwiegend aus Akademikern, die mit viel Herzblut und
Begeisterung an der Theke arbeiten. Das akademische Publikum hat auch
eine "Gruppe Ritterkeller" im Internet gegründet (www.studivz.net),
die mittlerweile über 400 Mitglieder hat. Diese Begeisterung
entstand nicht zuletzt deshalb, weil es immer Hanspeter Holds
bestreben war, eine Atmosphäre und Betriebsklima zu schaffen,
bei der sich sowohl Wirt als auch Bedienstete wohl fühlen.
Dies spiegelt sich auch im Musikangebot wieder, das sich fern
von den Charts, zwischen Alternative Rock und Independent
bewegt.

Diese Stimmung überträgt sich zweifelsfrei auch auf das
Publikum das, vermutlich gerade deshalb, gemischter nicht sein
könnte. Die Studenten von einst, die mittlerweile als Ärzte,
Anwälte oder Ingenieure arbeiten, verkehren nach wie vor im
Ritterkeller und treffen dort auf neue Generationen sowie auf
Menschen völlig anderer Gesellschaftsschichten. Alles in allem
sind also die Ritterkellergäste ein bunter Haufen, die fern
des üblichen Schubladendenkens gemeinsam und friedlich beim
Kaltgetränk zusammensitzen und sich wohlfühlen können.

Mittlerweile kommen die Gäste sogar aus ganz Deutschland extra
nach Kempten, um dem Ritterkeller einen Besuch abzustatten.
Einer der Gründe ist, dass der Ruf des Clubs über die Allgäuer
Grenzen hinaus geht und daher Besucher von nah und fern
anlockt. Ein anderer nicht zu verachtender Punkt für die große
Popularität ist aber auch der, dass der Bruder des Wirtes
zufälligerweise prominenter Fernsehrichter ist und daher
einige Sensationsurlauber, in der Hoffnung ein Autogramm
ergattern zu können, einen Abstecher in den Ritterkeller
machen.

In über 20 Jahren Ritterkeller war aber auch nicht immer alles
Friede, Freude, Eierkuchen. So konnte man den Behörden auch
nicht immer alles Recht machen und die Folge war, dass es jahrelang
immer wieder verschärft zu Polizeikontrollen kam, die nach
alkoholisierten Minderjährigen fahndeten. Diese Maßnahmen sind
ja auch nicht weiter verwerflich, schließlich ist Jugendschutz
ein wichtiges Thema in der heutigen Zeit und daher sind derlei
Kontrollen absolut legitim. Da es aber im Fall Ritterkeller
bislang keinen Grund zur Beanstandung gab, die
Polizeikontrollen allerdings nicht aufhörten, musste unlängst
eine logische Konsequenz gezogen werden. Um also den
Jugendschutzbehörden keinerlei Angriffsflächen zu
bieten, wurde der Eintritt in den Ritterkeller generell auf
ein Mindestalter von 18 Jahren erhöht.

Gerade im Gastronomie Bereich ist Beständigkeit schon fast zum
Fremdwort geworden. Selten halten sich Bars oder Kneipen über
einen längeren Zeitraum und noch viel seltener werden sie über
viele Jahre von ein und demselben Wirt betrieben. Eine große
Ausnahme macht da der Ritterkeller in Kempten, denn die
Kultkneipe feierte 2005 ihr 20 jähriges Jubiläum.

Aus diesem Grund haben wir beim Wirt Pit, der den
Ritterkeller von Anfang an betrieben hat, nachgefragt, was
in den 20 Jahren so alles passiert ist und wie es überhaupt
dazu kam, eine Location wie den Ritterkeller ins Leben zu
rufen.

Über die Zukunftspläne äußerte sich Hanspeter Hold außerdem:
„So lang es Spaß macht und die Gäste nicht ausbleiben, wird
weiter gemacht, außer die Staatsgewalt macht mir den Laden
dicht“ so der Wirt im Gespräch.

Wir wollen hoffen das Letzteres nicht eintritt und wir auch in
den nächsten 20 Jahren beim „Ritterkeller Pit“ zu Gast sein
dürfen.

(Erschienen in der Okober-Ausgabe 2005 des Live In)
www.live-in.net